LAD | ITA | DEU | ENG

Historischer Sonntagsschlitten mit Figurenschmuck, Gröden um 1900

Die Sammlung des Museum Gherdëina wurde durch einen historischen Sonntagsschlitten aus Gröden bereichert, den Frau Christine Sanoner im Dezember 2021 dem Museum Gherdëina überlassen hat und welcher nun in der Außenvitrine zum Rezia Platz - La Curta öffentlich ausgestellt ist.

Vor der Erfindung des Rades schleifte man Lasten auf Ästen und Stangen. Aus diesem Schleifen entwickelte sich der Schlitten, dessen Kufen den Reibungswiderstand verringerten. Die Bauern benötigten Schlitten für den Transport von Holz, Steinen, Mist und Heu. Die Transportschlitten wurden auch zum Abfahren im steilen Gelände verwendet.

Schlitten für Vergnügungsfahrten erschienen erst im 15. Jahrhundert. Die Gestaltung von Pferdeschlitten ist im Zusammenhang mit der Festkultur und den winterlichen Bräuchen etwa zu Neujahr, Lichtmess und Fastnacht zu sehen.

Einen besonderen Wert legte man auf den Schmuck der Schlittenvorderteile bzw. der Schlittenfiguren, welche die im Bogen zusammenlaufenden Kufen bekrönten. Das konnten Tierköpfe sein, die echten Tieren nachgebildet waren oder auch Figuren aus Sagen und Mythologien.

In diesem Fall ist es ein vollrund geschnitzter, bekleideter Wolf mit einem Huhn.

Unter der Sitzbank mit Lederpolster wurden beispielsweise eine warme Decke oder etwas Hafer für das Pferd aufbewahrt. Somit hatten Feriengäste um 1900 alles Notwendige dabei, um eine romantische Pferdeschlittenfahrt durch die verschneite Landschaft zu genießen.
 Schlittenfahrt in Wolkenstein, Plan da Tieja, um 1927 (Privatfoto)
Schlittenfahrt in Wolkenstein, Plan da Tieja, um 1927 (Privatfoto)
Schlittenfigur (Sammlung, Foto: Museum Gherdëina)
Schlittenfigur (Sammlung, Foto: Museum Gherdëina)


Andere Sonntagsschlitten mit Figurenschmuck im Bestand des Museums

Zwei historische Sonntagsschlitten befinden sich seit den 1960er Jahren im Sammlungsbestand des Museum Gherdëina. Einer stammt vom Hof Lusenberg und hat als Schlittenschmuck einen Schwan, Figurenmotiv das öfters anzutreffen ist.

Einzigartig mit seinem Figurenschmuck ist dagegen der Sonntagschlitten von den Höfen Tlusel bzw. Tieja aus dem frühen 19. Jahrhundert. Ein symbolträchtiger Fisch (Delfin?) schmückt die beiden im Bogen zulaufenden Kufen am oberen Ende, während am Fuße der Schlittentruhe vier geschnitzte Nilpferd-Köpfe angebracht sind. Der Schlitten zeigt deutliche Gebrauchsspuren, seine Besitzer fuhren damit am Sonntag zur Kirche oder nutzen den Schlitten für andere feierliche Anlässe.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war dieser Schlitten noch bis Ende der 1950er Jahre für einen romantischen Transport von Feriengästen von Wolkenstein (Tieja) nach St. Ulrich in Gebrauch. Das Foto mit Fuhrmann Batista Comploj da Tieja entstand im Winter 1947.
Ab den frühen 1960er Jahren zogen Urlauber eine Fahrt in der gemütlicheren Pferdekutsche vor und der Sonntagsschlitten wurde an Wanderhändler verkauft. Dank dem Engagement eines Gründungsmitgliedes des Museum Gherdëina gelangte der Schlitten in das eben gegründete Museum Gherdëina zur Aufbewahrung, wo es seitdem als Schuckstück der Dauerausstellung von den Besucherinnen bestaunt wird.


Die Skulpturengruppe aus der Werkstatt des Josef Moroder Lusenberg gibt eine festliche Schlittenfahrt mit Tracht wieder, die traditionell am Dreikönigstag im Langental stattfand. (Sammlung, Foto: Museum Gherdëina)
Die Skulpturengruppe aus der Werkstatt des Josef Moroder Lusenberg gibt eine festliche Schlittenfahrt mit Tracht wieder, die traditionell am Dreikönigstag im Langental stattfand. (Sammlung, Foto: Museum Gherdëina)
Detail des Figurenschmucks am Schlitten von Tieja
Detail des Figurenschmucks am Schlitten von Tieja
Detail am Fuße der Schlittentruhe (Foto: Museum Gherdëina)
Detail am Fuße der Schlittentruhe (Foto: Museum Gherdëina)
 Fuhrmann Batista Comploj da Tieja mit Fahrgäste auf der Fahrt von Wolkenstein nach St. Ulrich, 1947 (Privtarchiv)
Fuhrmann Batista Comploj da Tieja mit Fahrgäste auf der Fahrt von Wolkenstein nach St. Ulrich, 1947 (Privtarchiv)